Gerald Franz
Unternehmensberatung
Gemeinsam mehr verdienen

Hans im Glück

Dies ist die Geschichte vom täglichen Selbstbetrug in einem deutschen Betrieb.

Hans von der Fuchskaute hätte eigentlich längst mehrfacher Millionär sein müssen, denn immerhin gehörte ihm ein von seinem Vater ererbter Produktionsbetrieb, in dem durchschnittlich acht bis zehn Mitarbeiter beschäftigt wurden.

Aber Hans hatte kein Geld. Und das verstand er selbst am allerwenigsten. Denn Hans war genügsam und fleißig. Zudem hielt er sich außer an den Feiertagen immer von sechs Uhr morgens bis zehn Uhr abends in seiner Firma auf. Mit großer Umsicht sorgte er dafür, dass alle Arbeiten möglichst sorgfältig und reibungslos durchgeführt wurden. Einen richtigen Urlaub gönnte Hans sich nie.

Nun kannte ich unseren Hans schon eine Weile, und immer, wenn er sich bei mir über den ausbleibenden Vorsteuerbetriebsgewinn beklagte und daraufhin die Kostenblöcke seines Jahresumsatzes analysiert wurden, kamen wir zu dem Ergebnis, dass hauptsächlich die mangelhafte Mitarbeiterleistung den erwarteten Vorsteuergewinn auffraß. Selbstverständlich wies der gute Hans diese Erklärung weit von sich, denn wie konnte das sein, wo er doch selbst immer und überall mit Hand anlegte? So ging es über viele Jahre.

Nun ändert sich der Mensch ja bekanntlich erst in der Krise. Und als der Unternehmer Hans hautnah eine derartige, länger anhaltende und immer bedrohlicher werdende Firmenkrise spürte, da endlich war er bereit, seine nachlässige Einstellung bezüglich seiner Mitarbeiter zu überdenken und zu ändern. So kam es schließlich, dass Hans von der Fuchskaute 2006 begann, die Leistungen seiner Mitarbeiter per EDV dauerhaft zu überwachen und täglich auszuwerten, mit dem Ergebnis, dass er ganz plötzlich und unerwartet viel Geld mit seinem Betrieb verdiente. Aber ich will hier nicht vorgreifen.

Die Ergebnisse der ersten EDV-Auswertungen waren grausam und bisweilen schockierend. Denn obwohl sich der Chef selbst den ganzen Tag über in seiner Firma aufhielt und eigenhändig alle Vorgänge kalkulierte, plante und überwachte, lag die durchschnittliche abgelieferte Blindleistung aller produktiven Mitarbeiter bei etwa vierzig Prozent. Das heißt, der gute Hans schenkte all die Jahre seinen Mitarbeitern monatlich etwa 700 Euro, ohne, dass er dafür irgendeine verwertbare Gegenleistung erhalten hätte. Und verantwortlich für diesen Verlust war Hans ganz alleine, denn er selbst hatte all die Nachlässigkeiten und Schlampereien seines Personals jahrzehntelang geduldet, entschuldigt und übersehen - oder er wollte sie einfach nicht wahrhaben.

Ein grober Überschlag des negativen Vorsteuergewinns in den letzten zehn Jahren ergab einen Verlust von über einer halben Millionen Euro, ausschließlich verursacht durch diesen Strukturmangel. Dieser gigantische Verlust errechnet sich folgendermaßen: Bei einem gemittelten Stundenlohn von 9 Euro und 173 Arbeitsstunden sowie Lohnzusatzkosten von 20 % ergibt sich ein Arbeitgeberlohnaufwand von 9x173x1,2 = 1868 Euro. Ermittelt man davon die Blindleistung, das heißt die per elektronischem Analysesystem gemessenen Unproduktivzeiten, so erhält man mindestens 33 %.

Das ergibt monatlich 623 Euro an Kosten, die die Mitarbeiter durch ihre Nichtproduktivität verursachen, ohne dass sie einem Kunden in Rechnung gestellt werden können. Dabei wurden diese gemessenen Werte im Mitarbeiterinteresse noch auf ein Drittel geschönt.
Diese 623 Euro summieren sich in zehn Jahren auf 623x12x10 = 74.760 Euro pro Mitarbeiter. Acht Produktivkräfte zusammen erwirtschaften somit innerhalb der letzten zehn Jahre einen Vorsteuerverlust in Höhe von 590.808 Euro.

Natürlich kann Ihnen, sehr geehrter Chef, so etwas Saublödes nie und nimmer nicht passieren, denn Sie haben ja als einziger Chef in ganz Deutschland Ihr Personal fest im Griff. Das haben Sie wenigstens bisher immer mit stolzer Brust behauptet.

Verehrter Geschäftsführer, vergessen Sie ganz schnell diese voreiligen Worte. Tatsächlich beklaut auch Sie jeder Mitarbeiter durchschnittlich um täglich mindestens 40 Euro. Und damit dieser Diebstahl auch straffrei bleibt, hat Ihr Mitarbeiter bei seiner Gewerkschaft sogar noch eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen für den Fall, dass man ihm auf die Schliche kommt. Außerdem wird kein deutsches Arbeitsgericht in diesem Tatbestand nach dem ersten Augenschein eine Straftat erkennen wollen. Auch dieser Umstand führt dazu, dass in Deutschland ein Betrieb nach dem anderen wegen viel zu hoher Personalkosten aufgeben muss. Dass das nicht zwingend so sein muss, zeigt das geschilderte Beispiel.

Denn Hans von der Fuchskaute ist mit seiner Firma erfolgreich. Er zahlt seinen Mitarbeitern seit Anfang 2007 nur noch leistungsorientierte Löhne, und das zeigt Wirkung. So hat er als einer der wenigen Unternehmer die Korrelation zwischen Umsatz und Betriebskosten elastisch gestaltet. Einigen seiner unbelehrbaren Faulpelze und Drückeberger wurde nach einem Arbeitsprozess inzwischen fristlos gekündigt. Hans erzielt nun Vorsteuergewinne von 20 bis 30 Prozent vom Jahresumsatz.

Sehr geehrter Chef, möglicherweise halten Sie diese wahre Geschichte für ein Märchen. Möglicherweise glauben Sie lieber denjenigen, die Ihnen tief und teilweise unbemerkt in die Tasche greifen. Darum glauben Sie auch weiterhin tapfer Ihrem Personal, das Sie linkt, Ihrer Bank, die Sie ganz einfach melken kann, sowie Ihrem Verband, der ohne jede Gegenleistung regelmäßig Beiträge erhebt. Glauben Sie Ihrem Mitbewerber, der sich genauso verkaspern lässt, wie Sie das tun. Glauben Sie vor allem Ihren Steuer- und Rechtsberatern, die alle vom Zustand ihrer betrieblichen Unzulänglichkeit dauerhaft finanziell profitieren. All diese haben überhaupt kein Interesse daran, dass sich Ihre Betriebsstruktur entscheidend verbessert, denn wenn bei Ihnen das Gleiche wie bei Hans von der Fuchskaute geschähe, dann müssten sich einige davon nach einer neuen dummen Melkkuh umschauen.

Wenn Sie allerdings meinen, dass in dieser Geschichte doch ein Körnchen Wahrheit steckt, dann fragen Sie danach, ob auch Sie das Zeug zu einem Hans im Glück haben. Vielleicht finden Sie es bei uns.

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